Zwischen Geburt und Tod - Geschichten von der Liebe auf dem Waldfriedhof Schaffhausen
Der letzte Herzwärts-Ausflug führte auf den Waldfriedhof Schaffhausen. Es warteten Geschichten von Menschen, deren Leben und deren Liebe. Pfarrer Sieber führte über das Friedhofsgelände und erzählte von Menschen, deren Liebesgeschichten bis heute mit ihren Gräbern verbunden sind. Beim Blick auf Grabsteine fallen nebst den Namen zwei Jahreszahlen ins Auge - das Geburts- und das Todesjahr. Diese bilden den Rahmen für das Leben eines Menschen - mit glücklichen Momenten, Enttäuschungen, Hoffnungen und Erinnerungen.
Liebesgeschichten, die Spuren hinterlassen
Auf dem Waldfriedhof lassen sich viele Beziehungsgeschichten entdecken. Eine davon handelt von Tilda Heck, die 1906 den japanischen Künstler Arishima Takeo in Schaffhausen kennenlernte. Seine Liebe wurde von ihr zwar nicht erwidert, aber es entstand eine innige Brieffreundschaft, die später sogar veröffentlicht wurde.
Eine weitere Geschichte erzählt von Heinrich Moser und seiner Liebe zu Charlotte, die auch in der Architektur ihren Ausdruck fand. Das Schloss Charlottenfels in Neuhausen zeugt bis heute von dieser Beziehung.
Auch der Besuch am Grab von Apotheker Dieter Wiesmann durfte nicht fehlen. Eines seiner Lieder enthält die Zeilen: „Gestern ist so weit weg und morgen ist noch so fern. Komm, wir springen in den Moment, komm, wir haben uns gern.“ Auf einem Friedhof bekommen diese Worte eine ganz besondere Bedeutung. Zwischen den Lebensdaten auf Grabsteinen wird deutlich, wie begrenzt unsere Zeit ist. Gestern können wir nicht mehr zurückholen und morgen ist nicht garantiert. Was bleibt, ist der Moment – und die Menschen, mit denen wir ihn teilen.
Eine besonders eindrückliche Symbolik findet sich in der Statue „Umarmung“. Die Figur hat keine Arme. Gerade deshalb wirkt sie auf einem Friedhof besonders stark. Eine Umarmung steht normalerweise für Nähe, Halt und Liebe. Ohne Arme scheint die Figur gleichzeitig vom Loslassen zu erzählen. Beides gehört zusammen: lieben und loslassen. Aufgestellt wurde die Figur auf dem Grab eines drogenabhängigen Menschen. Seine Eltern wollten damit ihre Liebe zu ihrem Sohn ausdrücken – trotz allem, was geschehen war. Sie mussten ihn loslassen und konnten ihn doch nicht aufhören zu lieben.
Auseinandersetzung mit dem Leben
Der Besuch auf dem Waldfriedhof wurde zu einer Auseinandersetzung mit dem Leben selbst. Die Grabsteine zeigen auf einfache Weise, wie kurz oder lang ein Leben sein kann. Doch zwischen den beiden Zahlen steht nicht einfach eine Anzahl von Jahren. Dort stehen Beziehungen, Entscheidungen, Begegnungen und Erinnerungen. Vor allem stehen dort Geschichten von Menschen, die geliebt haben und geliebt wurden.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Ausflugs: Zwischen Geburt und Tod liegt das Leben. Die Zahlen auf einem Grabstein können wir sehen – aber was dazwischen passiert ist, lässt sich nur durch die Geschichten erahnen. Die Geschichten von Tilda Heck, Heinrich Moser, Dieter Wiesmann und vielen weiteren zeigen auf unterschiedliche Weise, dass Liebe manchmal glücklich macht, manchmal schmerzt und manchmal bedeutet, loszulassen. Aber sie hinterlässt Spuren – und manchmal bleiben diese Spuren noch lange über den Tod hinaus erhalten.
Wilma Kwasnicki
Herzwärts Waldfriedhof SH
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